Im Lavanttal wird der Obstbau seit jeher natürlich betrieben, was die Unverfälschtheit der urtümlichen Sorten ermöglicht. Äpfel aus dem Lavanttal und die veredelten Produkte wie Most, Wein, Essig oder auch Edelbrände haben lange Tradition. Sie bestechen durch ihren individuellen Geschmack. „Ausschlag gebend dafür ist wohl die Vermischung von alten Apfelsorten, teilweise aus dem 18. Jahrhundert, die in der Region gedeihen“, sagt Hans Köstinger, Obmann des Vereins „Mostbarkeiten“. „Was uns auszeichnet, ist die starke Verbundenheit und Tradition der Menschen in der Region und die Überzeugung, dass unsere Rohstoffe unverwechselbar und einzigartig sind. Das spüren die Gäste“, erläutert Richard Poppmeier, Chef des Gasthaus Traube am Stiftshügel in St. Paul und Kärntens Genuss Wirt 2007/08 den Zugang zum kulinarischen Schatzhaus.
„Ich kenne in Österreich kein vergleichbares Most-Produkt“, ist Poppmeier vom Lavanttaler Apfelmost überzeugt. Doch nicht nur den hervorragenden Most verarbeitet der 40-Jährige in seinem Betrieb, auch verschiedenste Gewürzessige und Apfelweine finden Verwendung bei der Veredelung von Speisen. „Auch die übrigen Produkte werden ausschließlich aus der Region bezogen, wenn es möglich ist“, betont der Vollblut-Gastronom, der von einer Fachjury und einem Gästevoting unter 70 Wirten zum „Genuss Wirt des Jahres 2007/2008“ gekürt wurde. „Hier in der Region sind fleißige Bäuerinnen und Bauern am Werk, die hervorragende Produkte erzeugen. Es spricht nichts dagegen, diese in der Gastronomie zu verwenden. Außerdem fragen die Gäste immer wieder danach.“
Regionale Identität entwickelt
Das Interesse der Besucher an den Produkten aus dem Lavanttal kommt nicht von ungefähr. „Vor rund 15 Jahren hat man begonnen, ein neues Bewusstsein für die regionalen Schätze zu entwickeln“, beschreibt Hans Köstinger die Entwicklung der regionalen Selbstfindung. Eine zentrale Rolle dabei spielt neben dem Stift St. Paul und dessen Kulturschätzen der Obstbau, allen voran der Apfel. Optimale klimatische Bedingungen machen das Lavanttal zu einem paradiesischem Anbaugebiet für Obst. „Wir leben in einem Nord-Südtal, das nach Süden hin offen ist“, erklärt Mostbarkeiten-Chef Köstinger. „So kann das milde Adria-Klima hereinstrahlen, was dem Wachstum des Obstes besonders gut tut.“
Auf Wein folgte Apfel
Bis in die Anfänge des 19 Jahrhunderts wurde im Lavanttal Wein angebaut. Doch die Franzosen, die sich nach 1809 unter Napoleon im Kärntnerland breit machten, fanden heraus, dass sich das Gebiet besser zum Obstbau eignet. „Die damals importierten Sorten aus den USA, Holland oder Frankreich gedeihen heute noch“, streicht Köstinger die Besonderheit der Gegend rund um Wolfberg hervor. Zu nennen wäre hier die „Lavanttaler Banane“, eine aus den USA gegen Ende des 19. Jahrhunderts importierte Sorte, die im Original „American Mother“ genannt wird und den ausgefallenen „Lovntoler“ Namen dem bananenähnlichen Geschmack verdankt.
Lavanttaler Gastlichkeit
Zu kulinarischem Hochgenuss verarbeitet werden die regionalen Produkte in den Betrieben der „Lavanttaler Gastlichkeit“, einer Kooperation von regionalen Gastronomen, die sich auf typische Köstlichkeiten spezialisiert haben. „Wir weisen alle Lieferanten auf der Karte aus“, sagt Richard Poppmeier. Der 40jährige betreibt gemeinsam mit seiner Gattin Gisela und seinen Eltern Herta und Emmerich den Familienbetrieb. „Und das in der fünften Generation“, so der zweifache Familienvater stolz. 1997 entschloss sich Poppmeier in seine Heimat zurückzukehren und die Erfahrungen, die er während seiner Engagements in Italien, der Schweiz oder Deutschland gesammelt hat, in den Familienbetrieb einfließen zu lassen. Ein Jahr später übernahm Richard das Haus, das zuvor rund 40 Jahre lang von seinen Eltern Herta und Emmerich geführt wurde.
Das wunderschöne historische Gebäude mit urtümlichem Charakter, das „die Traube“ beherbergt, wurde erstmals 1510 erwähnt, wurde seinerzeit auch als Bäckerei betrieben und bildet einen gediegenen Rahmen für die regionale Küche des Hauses. „Einer unserer Räume ist komplett in den Felsen gehauen, und im ganzen Gebäude gibt es keinen rechten Winkel“, sagt der Küchenchef. Das Gasthaus hat seinen Namen von drei nahezu hundert Jahre alten Rebstöcken, die über die ganze Gastterrasse wachsen. |